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Geboren 1932, kam ich in eine deutsche Welt, die noch nicht endgültig entschieden hatte, ob denn Hitler nicht doch besser sei als die erst junge und ungewohnte Demokratie, in deren Tohuwabohu von Rechten, Linken, linken Rechten, rechten Linken, Liberalen und Klerikalen sich kein Mensch mehr auskannte und die auch mit der Arbeitslosigkeit nicht fertig wurde.

Manch einer wünschte sich im Stillen wieder einen deutschen Kaiser.

Doch 1933 kam Hitler, dem man eben mehr zutraute, und der war (aber das kam erst viel später ans Licht) entschieden kompromissloser in der Wahl seiner Mittel auf dem Weg nach oben als die Nachfahren der Frankfurter Paulskirche.

Von all dem hatte ich natürlich keine Ahnung, als ich am 18. August als Löwe in Steißlage auf die Welt kam, assistiert von Dr. Böker und Frau Jung, die allen fünf Kindern von Kathrinchen und Franz auf die Welt halfen. Natürlich zu Hause. Willi 1927, Cäcilie 1929, dann ich 1932: wir drei wurden mit ihrer Hilfe oben in Linden bei Michaelis geboren, wo wir damals wohnten. Helene kam 1934 in der Rathausstraße 4 zur Welt und Gerda kam mit ihrer Hilfe 1942 in der Wilhelm-Gustloff-Straße 53 c (so hieß die ehemalige Rathausstraße und heutige Fronhofstraße damals) ans Tageslicht in 1938 erbauten Haus der Johnen's.

Aus der ersten Zeit bei Michaelis habe ich natürlicherweise keine Erinnerungen, später war ich mit Vater oft dort. Michaelis hatten einen riesengroßen Garten und waren evangelisch. Was der Freundschaft der beiden Familien jedoch keinerlei Abbruch tat, obschon die Religionszugehörigkeit in meiner Jugend noch eine große Rolle spielte. Michaelis hatten zum Garten hin eine große, schöne Veranda mit einem großen Fliegengitterschrank für Lebensmittel, der immer sehr anziehend auf mich wirkte. Auch hatten sie einen damals sehr seltenen Kachelofen, der im Winter eine wunderbare Wärme abgab.

Herr Michaelis ist früh gestorben, ich habe in nicht gekannt. Er war Bienenzüchter, wie Vater. Die Hälfte des großen Bienenstandes hat Vater beim Hausbau 1938 mit nach Linden geholt. Von diesem Bienenstand wird in diesem Büchlein noch öfter die Rede sein. Er musste erst weichen, als Lene und Martin Kuck 1971 dort bauten.

Frau Michaelis war immer gut zu mir, ich bekam immer etwas zu essen. Michaelis hatten vier Kinder: Grete, Hans, Else und Hilde. Alle waren blond bis auf Hilde, die als einzige die schwarzen Haare ihrer Mutter hatte und die scherzhaft das Zigeunerkind genannt wurde.

Wenn wir zu Michalis gingen, dann ging's von uns aus in die Pützgracht, am Ackersweiher vorbei und durch den Hohlweg. Halbwegs Richtung Euchen kam dann eine Abzweigung nach links durch die Felder. Dieser reine Feldweg kam etwas oberhalb der Ziegelei von Kappertz aus, neben den Häusern, die man damals "die neu Böj" nannte. Diese Häuser hatte die Gemeinde bauen lassen, um dort sozial benachteiligte Familien unterzubringen, Familien, die meistens "enne janze Rammel Pute""eine ganze Menge Kinder" hatten.

Helene kam also auf der 1.Etage in der Rathausstraße 4 zur Welt. Unten wohnte die Familie Leonhard Maaßen mit Margarethe, Tinni und Josef, mit denen wir uns gut verstanden. Das Haus war das ehemalige Haus des Bürgermeisters.

Das Haus daneben war das Bürgermeisteramt von Broich-Linden, jetzt war es die Polizeistation mit Anton Dörsch und Franz Mandelartz. Im Haus wohnten Dörsch, Kather und die alte Frau Scherberich. Im Keller war das "Kittchen".

Egon Dörsch war als Nachbarskind mein erster Spielkamerad. Er war nur wenig älter als ich, doch viel kräftiger. Er war auch in der Schule eine Klasse über mir, da er vor und ich nach dem Stichtag geboren war. Einmal bekam er zu Weihnachten ein Paar Boxhandschuhe, mit denen er mich ganz ordentlich vertrimmte. Deshalb kann ich das Boxen bis heute zu nicht leiden.

Kather waren auch "kinderreich" wie wir. Herr Kather war Fahrer bei Kronenbrot und hatte neben dem Haus von Amberg/Heinrichs (heute Kronenbrot) einen langen, aber schmalen Garten, der an die Hauswiese von Wilhelm Beckers grenzte, die heute ganz bebaut ist. Die Möhren aus diesem Garten schmeckten besser als die aus unserem.

Gegründet 1865 als Bäckerei in Linden-Neusen wurde Kronenbrot im Laufe des 20. Jahrhunderts als Familienunternehmen (Familie Maiz) zur Großbäckerei, die bis ins Jahr 2019 viele Vollversorger im Rheinland mit frischem Brot versorgte. Die Firma Kronenbrot wurde im Juli 2019 geschlossen. 530 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit.

Vom Haus zur Schule waren es nur ein paar Schritte. An die Einschulung erinnere ich mich nicht mehr, nur an unsere erste Lehrerin, Fräulein Wolf, die fast immer Pfefferminz- oder Veilchenpastillen lutschte. Für mich Sechsjährigen war sie die schönste Frau der Welt und ich wäre für sie durchs Feuer gegangen.

Das Haus, in dem wir wohnten, hatte ein großes Treppenhaus mit einem dicken, stark abschüssigen Geländer, auf dem man schnell nach unten rutschen konnte, doch das war leider verboten. Auf der Außentreppe dieses Hauses wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben fotografiert, zusammen mit Cäcilie, Lene und Gisela Böker.

Wir hatten auch einen großen Balkon, der damals oft genutzt wurde, denn es gab noch keinen Straßenlärm, denn erstens war die Straße ungepflastert, zweitens gab es - mit Ausnahme von Dr. Böker - in der Straße noch keine Autos und drittens war die Ein- und Ausfahrt von Kronenbrot zur Hauptstraße hin, direkt neben dem Schulgässchen der alten Schule. Auf "unserer" Straße bewegten sich mithin Pferdefuhrwerke, Vieh, Handwagen und das Auto von Dr. Böker.

War schönes Wetter, so ging Vater sonntags mit mir - manchmal war auch Lene dabei - Spazieren. Meist Richtung Broicher Wald / Broicher Weiher / Broicher Mühle. Die erste Möglichkeit war durch die Pützgracht nach Broich, vorbei an Gottfried Kellenters " Broicher Häuschen ", dann dem Bach folgend an der "Rollmopsfabrik" und an "Schunke Kisskull" vorbei. Vor dem Weiher kam noch ein Sumpfgebiet mit Sumpfotterblumen, viel Wiesenschaumkraut und mehreren Quellen, von denen heute dort noch einige existieren.  Ein zweiter Weg führte übers Osterfeld entlang der Ley-Siedlung und der Randsiedlung bis vor den Blumenrater Berg, von dort aus entlang dem "Schlammweiher" und dem "richtigen" Weiher zur Mühle.

Der längste Weg war durch die Pützgracht und übers Feldchen bis kurz vor Euchen, dann rechts ab, an Wiesen vorbei und über die Broicher Straße hinweg durch die Felder bis zur Eiche mit dem Kreuz, den Hohlweg hinunter zur Mühle. Welcher Weg auch immer genommen wurde, es gab immer eine Pause und ein Glas "Frischgeist" (so nannte man früher die Limonade), entweder bei Mertens in der Mühle oder bei Kellenter in Broich. War Vater besonders guter Laune, dann durfte ich für einen Groschen aus einem Drehautomaten eine schokoladenüberzogene Nougatraute ziehen, woher es wohl kommt, daß ich heute noch leidenschaftlich gern Nougat esse.

Doch vom Nougat wieder zur Sumpfwiese. Hatte es stark geregnet, war dieser Weg zur Broicher Mühle ein rechtes Abenteuer, denn man musste über einen Brettersteg, dem einige Bretter fehlten, sodaß man das Wasser unter sich nicht nur hörte, sondern auch sah, wie es gurgelnd und schäumend in den unteren Weiher strömte. Das Weihergebiet bestand aus drei Weihern: dem Mühlenweiher, der relativ sauber war, einem Zwischenweiher zur Regulierung und dem eigentlichen Schlammweiher vor der Randsiedlung, der zur Klärung der Kohlenschlämme diente, die von der Mariadorfer "Kull""Kohlegrube" aus über eine Rohrleitung entlang der Blumenrather herangeführt wurden. Dieser Weiher wurde manchmal trockengelegt und der Bodensatz, ein kohlehaltiger, fetter Schlamm, wurde abgebaut und als billiges Heizmaterial verkauft. Wir haben Schlamm noch bis etwa 1951 gebraucht. Er diente vor allem als "Gedecks", einer langsam brennenden Abdeckung der Koks- oder Kohlenlage der Heizung während der Nacht.

Der Weiher war die natürliche Entwässerung seiner näheren Umgebung, nach Norden hin von einer sandigen Hügelkette umgeben, die mir damals sehr hoch erschien. In Richtung Ofden stand oben auf dieser Anhöhe ein dichter Fichtenwald, der, wie die Gruben, dem Eschweiler-Bergwerks-Verein EBV gehörte und "die Kull" mit Holz versorgte, vor allem mit Strebholz für die Gewerke untertage. Deshalb wurden solche Wälder nicht alt, und nach dem Krieg war auch dieser Wald ruckzuck innerhalb kürzester Zeit in der Kull verschwunden.

Etwa in der Mitte der Weiherlandschaft verlief ein ginsterverdeckter, steiler Pfad nach oben zum Plateau. Dort stand ziemlich frei eine Kiefer, von deren unterster Astgabelung man unser Haus sehen konnte. Zuletzt gesehen habe ich diesen Baum 1953, bin auch nochmal raufgeklettert. Später war er verschwunden.

Wie gesagt, waren wir bei schönem Wetter sonntags immer unterwegs, manchmal gingen wir zu Onkel Johann nach Neusen, wo wir dann schon mal Onkel Klaus und Onkel Gustav trafen. Hier, im Sträßchen, waren Vater und seine 12 Geschwister geboren. Vaters Eltern waren schon länger tot, sonntags nach dem Hochamt gingen wir zu ihren Gräbern, die etwas auseinander lagen, denn Peter-Josef Johnen starb bereits 1919 und seine Frau Lena 1922. Den ungefähren Platz dieser Gräber auf dem alten Friedhof hier kenne ich noch heute.

Manchmal ging's auch zu Onkel Josef nach Weiden, zum Eifelblick. Dann wurde ich "gut" angezogen, denn Tante Agnes achtete sehr hierauf, was Mutter genau wusste. Auch die "Tant Bäbb" (Steinbusch), eine Schwester von Vaters Mutter, besuchten wir manchmal. Sie wohnte in der "Graat", dem letzten Stück der Broicher Straße vor der Neusener Kreuzung. Tant Bäbb war ein lebhaftes, kleines Persönchen mit einem Gesicht wie ein verschrumpelter Apfel und immer guter Laune. Oft bekam ich von ihr eine saftig - leckere Birne. Für diese Birnen war sie in der ganzen Familie bekannt.

Die schönsten Spaziergänge waren und blieben für mich jedoch die, die durch Felder und Wiesen hingingen in den Broicher Wald und zum Broicher Weiher.

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 Handkarte Broicher Siedlung

Handkarte Linden-Neusen

 

Collage der Handkarten mit einer Straßenkarte aus Openstreetmap

Collage der Handkarte und Openstreetmap Karte

Daten von OpenStreetMap - Veröffentlicht unter ODbL 

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 Gerne lief ich auch in die Dell, zu " Tant Traut ", meiner Patentante, wo es immer etwas Handfestes zu essen gab, wo es Kaninchen gab und wo immer mindestens ein Schwein gemästet wurde, manchmal mit "Muttföische" aus dem nahegelegenen Ackersweiher, auf dem man im Winter wunderbar die Bahn schlagen konnte. (Schlittschuhe hatten damals nur sehr wenige Kinder.) Sehr beeindruckt war ich bei Tant Traut von einer Bodenklappe, die man hochheben musste, um an die Kellertreppe zu kommen.

In der Pützgracht waren auch die Rodelberge der Lindener Kinder. Für die Kleineneren in Dittmanns Wiese, etwa dort, wo heute die Häuser von Amberg, Köther und F. J. Nießen stehen. Die größeren Kinder rodelten von den verschiedenen Höhenlagen im "Jüddeküllchen" (den heutigen Grundstücken Knipprath und Basten) aus, oder aber auf dem letzten abschüssigen Teil des Neuen Weges, der heutigen Mozartstraße. Wagemutige rodelten gegenüber von Wahlen/Wöbel eine ziemlich hohe und steile Wiesennase hinunter bis auf die Broicher Straße. Die Tapfersten jedoch rodelten in der Dell, von der Hecke hinter " Bieße Ween" aus hinunter bis zur Hecke vor dem Bach (heutiges Kindergartengelände). Diese steil abfallende Rodelbahn hatte nur einen sehr kurzen Auslauf. Wer nicht Acht gab, der landete in der Hecke, bei sehr hohem Tempo auch schon mal im Bach, der damals noch nicht kanalisiert war, nur in Beton eingefasst.

Apropos Kanal. Linden-Neusen war in meiner Jugendzeit noch ohne Kanalisation, die erst nach 1950 in Angriff genommen wurde. Von Vorweiden aus hatte die Molkerei Köpp Ende der 30er Jahre einen -privaten- Kanal bis zur Dell legen lassen und wahrscheinlich auch das Betonbett bis an die Kurve vor dem Ackershof (bewohnt damals von Schunk) finanziert. An diesen Kanal waren oben in Linden einige Häuser angeschlossen, darunter auch Kappertz. Der Rest des Dorfes war jedoch ohne Kanalisation, die einfachen Abwässer flossen in die "Sief", für den Rest waren die Plumpsklos da. Wenn bei Mainz gebadet wurde, war die " Sief " bläulich verfärbt und roch nach guter Seife. Einige Häuser hatten für die Abwässer ein Ein- oder Mehrkammersystem im Garten, der Inhalt wurde je nach Bedarf und Wetter als Dünger für den Garten benutzt.

Die Wasserleitung war mit Sicherheit auch noch nicht alt, denn bis zum Krieg gab es noch an einigen Stellen im Dorf die hohen, gußeisernen Pumpen mit den riesigen Schwengeln. Wasser gaben sie allerdings keins mehr.

Haupttransportmittel in meiner frühen Jugend waren die Füße. Mariadorf, Weiden oder St. Jöris waren keine Entfernungen. Für Lasten waren Pferd und Wagen da, nur Kronenbrot fuhr schon mit motorisierten Lieferwagen weitere Strecken und auch Leo Rosenbaum in Neusen hatte schon einen Speditions-Lastwagen.

Die Hauptstraße war so wenig befahren, daß wir sonntags z.B. vor Soquars Haus auf der Straße unbehelligt mit Papierfliegern spielen konnten, wenn uns das Spielen auf dem Speicher mit den Zinnsoldaten zu viel wurde, von denen es bei FJS eine Unmenge gab.

Die elektrische Kleinbahn, "die Tramm" die seit 1896 durch unser Dorf fuhr, war teuer und wurde nur für lange Strecken benutzt, wenn man z. B. nach Aachen fuhr oder nach Stolberg. Auch Schüler fuhren nach Aachen, da es hier herum keine weiterführenden Schulen gab. Kinderreiche Familien bekamen vom Staat Fahrkartenzuschüsse, die sich nach dem Einkommen der Eltern richteten.

Doch einmal im Jahr fuhr "man" bestimmt nach Aachen: in der Vorweihnachtszeit. Man fuhr "et Kresskengche kikke" und einmal sah ich dabei sogar eine Aufführung von " Peterchens Mondfahrt " im Stadttheater. Wahrscheinlich war ich unerwarteter Weise längere Zeit "brav gewesen".

Die Eisenbahn war schon früher da, machte von Aachen aus jedoch den Umweg über Kaisersruh, Würselen, Euchen und Mariadorf, um nach Jülich zu kommen, statt den direkten Weg über Linden und Mariadorf zu nehmen. Noch in meiner Jugend behauptete die Fama (besonders die der "Wiieter Peäd "), die Linden-Neusener Bauern hätten den Bau der direkten Bahnverbindung Aachen - Jülich über Linden verhindert, weil sie Angst gehabt hätten, ihre Kühe würden dann keine Milch mehr geben und ihre Hühner keine Eier mehr legen. In Wirklichkeit wird wohl der Kaninsberg die Ursache gewesen sein, dessen große Steigung aus dem Aachener Loch heraus die Eisenbahner vor Probleme stellte, die von der Kosten/Nutzen-Seite her damals nicht zu lösen waren.

Die "Elektrische" hatte diese Probleme nicht, obschon auch sie im Winter schon mal Schwierigkeiten hatte, wenn das Eis auf und in den U-förmigen Schienen saß. Sie fuhr dann einfach nicht weiter und wartete "auf besseres Wetter", wenn auch der auf die Geleise gestreute Sand nicht half. Die Fahrgäste warteten entweder geduldig mit oder sie mussten per pedes weiter.

Und wieder zurück zum Rodeln. Die Neusener Kinder rodelten "op et Höefje" (manchen sagen auch "henger et Höefje". Von uns aus kam man dorthin entweder "döerch et Eng", also über die Endstraße, oder aber -einfacher- über einen Durchgang zwischen der Bäckerei Esser (nachmals Edi Cauberg) und dem Haus von "Essesch Käsper". Dieser Durchgang diente auch den Lindenern als Abkürzung, wenn sie nach St.Jöris wollten und führte am Höfchen vorbei durch Wiesen mit Drehkreuzen in der Umzäunung hin zum St. Jöriser Weg ausgangs des Ends. Diesen Durchgang gibt es heute - leider- nicht mehr. Das eigentliche "Höefje" war eine bebaute Hof- und Hinterhoffläche zwischen dem Haus von Kaspar Esser und dem von Kranz/Bock, und es soll dort früher immer " völ mäng" (allerhand los) gewesen sein.

Die Kinder aus der Ley-Siedlung rodelten " auf Blumenrath" vor dem Schlamm-weiher, oder aber gegenüber bei Leuer. Mit meinem kurzen Stummelschlitten (auf dem unser Andreas noch seine ersten Rodelversuche gemacht hat), bin ich einmal auf Blumenrath gewesen, wollte mich zeigen und startete direkt von ganz Oben. Ich landete natürlich im Stacheldraht und zog reichlich zerkratzt und klein-laut nach Hause. Lange her, doch nicht vergessen.

Doch zurück zum Sommer und in die Pützgracht. In den unteren Astgabeln niedriger Bäume bauten wir Häuschen aus Zweigen und alten Brettern, wie richtige Kinder es auch heute dort noch tun, allerdings viel vornehmer mit Sperrholz und Pappe, Materialien, die damals noch keine Wegwerfartikel waren. In manchen der alten Bäume fanden wir Baumerde, die beste Blumenerde, die es gab.

Am Ackersweiher war der Bauernhof Schunk/Decker. Dort waren wir nicht besonders gut angesehen, weil, nach Ansicht der alten Frau dort, um den Ackersweiher herum viel zu viel " jejööstert " wurde.

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Der Ackershof war ein alter Fachwerkbau mit gezapften Balken, Zweigspelderung und Lehmauffüllung. Aus dem 14. Jhdt. stammend, war dieses Kirchenlehen wohl der älteste Bauernhof von Linden-Neusen. Nach dem Krieg wohnte hier eine Zeit lang die Frau Opers,die (im Beiß/Weber-Haus) ausgangs der Pützgracht zur Broicher  Straße hin bis Kriegsende ein  Lebensmittelgeschäft hatte. Jetzt wohnte sie auf dem Acker, zusammen mit ihrem Bruder Peter Graf." Jroeve Pitt" war ein so-genannter " Oodrücher" der mit allem und jedem handelte, ein echtes Original in dieser an Originalen wahrlich nicht armen Zeit.

In einem Nebengebäude des Ackershofes wohnten Hacking. Der alte Hacking mit seinem urtümlichen Vollbart wusste sagenhafte Geschichten zu erzählen. Aus Russland z.B., wo er als Soldat gewesen war. Einmal sei ihm im kalten Sibirien ein riesiger Mann begegnet, der nur ein Auge hatte und das mitten auf der Stirn.

Auf seine Fragen habe der Riese immer nur gesagt: " Hacking, eiß Bärefleesch."

Ackersweiher, Ackershof und Hacking sind verschwunden. Ende der 60er Jahre war in dem schon recht verfallenen Gebäude nochmal eine Schweinzucht, das Gelände gehörte damals, soviel ich weiß, der Kirche, teilweise auch Kurt Kellenter. Die Gebäude gingen um 1970 bei einer Feuerwehrübung in Flammen auf und wurden danach eingeebnet.

Zum Ackersweiher gehörte die Dell, wie die Dell zum Ackersweiher. Von der Bausubstanz her gesehen enthielten die Dell und das End die ältesten noch bestehenden Teile des Dorfes, neben Broich auch die ursprünglichsten. Denn nur in diesen drei Dorfteilen gab es von alters her Viehtränken, wichtige Voraussetzung für eine ursprünglich rein landwirtschaftlich orientierte Bevölkerung.

Die Dell war ein Dorf im Dorf, wie weiter oben auf Weiden zu der Sösse Eck, wie das End und teilweise auch das Sträßchen. Alle haben viel von ihrer Ursprünglichkeit verloren. Die Fama der Dell insbesondere ist jedoch bis heute lebendig geblieben in den "Amaröllchere". Vom alten Mohren vielleicht, wenn er ( der ein hervorragender Kaninchenzüchter war) anläßlich der jährlichen Ausstellung bei "Wirtz auf dem Saal" mit ausladenden Gebärden Kaninchen "amerikanisch" versteigerte und sich dabei seinen großen, schönen "Schnauzbart" elegant strich.

Vom alten Fritz von Bracht vielleicht, der in seinem Garten zur Straße hin eine wunderschöne Voliere angelegt hatte und der so interessant zu erzählen wusste. Vom alten Salber vielleicht und vom alten Jung, der Dachstühle baute und der der wohlgelittene Ehemann der Hebamme unseres Dorfes war. Vom alten Theissen vielleicht, der im Kirchenchor eine gute Baßstimme sang, oder vom alten Steffens, der zur besseren Unterscheidung der vielen Steffens "Steffens Hännesje" gerufen wurde. Von " Sturme Wienes " vielleicht, dem unverwüstlichen Dachdecker mit dem großen Durst (den im Dorf allerdings auch viele anderen hatten) oder von Jrömmesche Hännes und Essesch Wisse.

Dann käme sicherlich noch so manches Amaröllchen aufs Tapet, worüber man schmunzeln könnte.

Vielleicht, vielleicht.

Neben unserm Haus begann der Neue Weg, der 1924 als Fußpfad auf Antrag des Landwirtes Wilhelm Beckers dorthin verlegt wurde, nachdem er vorher quer über mehrere Grundstücke westlich der Rathausstraße verlief. In meiner Jugend war er ein Feldweg, als Verlängerung des damaligen Schulgässchens die kurze Dorf- zu Dorf - Verbindung nach Euchen. Heute heißt er Mozartstraße. In der Pützgracht lief dieser Weg an einigen Gärten vorbei. Zwischen der unteren Hauswiese von Martin Dittmann und dem Neuen Weg, dort, wo heute die Häuser Windelschmidt und Bontenackels stehen, lag ein langer und schmaler Garten, den Hubert Maaßen bearbeitete. Oben begann der Garten hinter der Wiese von Wilhelm Beckers. Das starke Gefälle des Terrains und Teile der alten Hecke sieht man heute noch von der Mozartstraße aus zwischen den Häusern von Rudi Mohren und Marianne Windelschmidt.

Das elterliche Maaßen-Haus stand an der Ecke Fronhof-/Lindenerstraße (früher Rathaus-/Hauptstraße und während des Krieges Wilhelm-Gustloff/Ad. Hitlerstr.)

Es war ein großes Fachwerkhaus mit einer Toreinfahrt, sicherlich ehemals auch ein Bauernhof. Über den ganzen Giebel zur Fronhofstraße hin stand ein großer Spalierbaum, dessen Birnen frisch nicht zu essen waren, sogen. "Steckbiere".

Oben im Haus wohnten Kienzel.

Hubert Maaßen war ein ausgesprochener Vereinsmensch. Er war im Turnverein, im Kaninchen-Zuchtverein und sang im Männer-Gesang-Verein eine starke Tenorstimme.

Hinter der Kreuzung in der Pützgracht war ebenfalls ein langer, jedoch breiterer Garten, der durch den Bach unterbrochen wurde. Er wurde von Martin Kleiker und Franz Aretz bearbeitet. Martin Kleiker wohnte damals im ältesten, dem ursprünglichen Haus der Familie Mainz, einem schon teilweise gemauerten Haus aus der Zeit vor 1800, als diese Mischbauweise noch neu und deshalb selten war. Das Haus wurde in den 60ern abgerissen, heute stehen dort Garagen. Die Familie Franz Aretz wohnte direkt daneben, ebenfalls in einem Mainz-Haus, das heute noch steht. Die Scheune hinter diesem Haus musste seinerzeit Platz machen für die erste Vergrößerung von Kronenbrot. Diesen Häusern gegenüber, zwischen dem Bauernhof Dohmen und der langen Mauer von Kalkbrenner (die beim Neubau des Geschäftshauses von Paul und dem Wohnhaus von Josef Kalkbrenner weichen musste) wohnten damals Wenders, Dieudonné Orgeig (d'r Jedöng), Mertens, Saal und Hubert Lövenich (genannt "et Dönkelche“)

Zurück zu den Gärten der Pützgracht. Der Garten von Hubert Maaßen lag hoch über dem Niveau des Neuen Weges und war abschüssig. Es musste also viel Wasser herbeigeschafft werden und auch ich habe manchen Eimer aus dem Bach hinaufgeschleppt, um Herrn Maaßen zu helfen. Die unteren Gärten lagen unter Wegniveau, in der Nähe des Baches etwas sumpfig, doch der Boden war tiefschwarz und sehr ertragreich. Im vorderen Teil des Gartens, also vor dem Bach, stand der abgewrackte Kastenaufbau eines Opel-Lastkraftwagens, der in seinen guten Zeiten als Kronenbrot-Lieferwagen gedient hatte. Hierin fanden die Männer Unterschlupf bei plötzlich auftretendem Regen und hier wurde auch während der Gartenarbeit schon mal eine Pause gemacht, um ein Pfeifchen zu rauchen und um "us d'r Blääch" einen guten Schluck zur Brust zu nehmen.

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Des Öfteren haben dann einige Rabauken richtige, dicke "Klausteng" auf diesen Blechkasten geworfen, was natürlich sehr großes Getöse ergab und die Männer drinnen brutal aus ihrer Beschaulichkeit riss. Und natürlich kamen diese Rabauken aus der Dell, woher sonst denn auch wohl. Ich jedenfalls war mit Sicherheit nicht beteiligt, zumindest hier konnte ich die Fragen von Vater ruhigen Gewissens verneinen.

Den freundlichen und ruhigen Martin Kleiker sehe ich noch heute, wie er auf dem Weg zu seinem Garten an unserer Hecke neben dem Eisentor (dort ist jetzt die Garageneinfahrt) vorbeikommt und anhält. Etwas umständlich nimmt er den Vierzahn mit dem daran hängenden Korb von der Schulter und setzt die Sachen ab. Er räuspert sich, nimmt den Flachmann (d'r Blääsch) aus der "Votteteisch" (der hinteren Hosentasche), nimmt einen Schluck, verstaut den Flachmann, räuspert sich nochmals kräftig, nimmt das Werkzeug wieder auf und setzt - jetzt gestärkt - seinen Weg zum Garten fort.

Doch neben diesen, teils schönen, teils aufregenden Erlebnissen gab es - leider - noch die Schule. Hier musste man zuerst einmal stillsitzen und dann auch noch aufs Wort gehorchen. Ich lernte ziemlich gut, doch Stillsitzen und aufs Wort gehorchen sind mir immer schwergefallen, bis heute zu.

Zuerst schrieben wir noch mit Schiefergriffeln auf Schiefertafeln, was man heute sicherlich als sehr umweltschonend bezeichnen würde. An die Tafel angebunden war ein Schwämmchen und/oder ein Läppchen, auf das man - verbotenerweise- gegebenenfalls spuckte, um dann das eben Geschriebene wieder auszuputzen, wenn es der Lehrerin nicht gefiel oder etwas Anderes an die Reihe kam. Ende des zweiten Schuljahres kamen dann Feder und Papier, für uns alle zu Beginn ein Drama. Und mit Bleistift zu schreiben war streng verboten. Nach Frl. Wolf, die zwar schon mal eine Ohrfeige austeilte, aber nie ernsthaft zuschlug und dem meist friedfertigen Lehrer Schubert (Negus geheißen) kam nun Lehrer Erdmann, der schnelle Stock-aus-dem-Schrank, der oft und laut brüllte, wenn etwas nicht nach seinem Sinn von statten ging. Es war schon Krieg und die Schule hatte für einen evtl. Notfall einen Vorrat Vitamintabletten erhalten. Günter Buschlinger nun hatte - sei es aus Hunger, aus Wollust oder aber einfach nur um den Lehrer zu ärgern- einen Teil dieser Tabletten aufgefuttert. Lehrer Erdmann war völlig außer sich deswegen und hat den armen Kerl -der an und für sich hart im Nehmen war- in seinem Jähzorn halb tot geprügelt, was ihn in meiner Achtung gewaltig fallen ließ.

Unser Klassenzimmer war jetzt auf der ersten Etage der neuen Schule, zur Südseite hin, es war ein hoher und heller Raum. Alte und neue Schule wurden in den sechziger Jahren von der Gemeinde an Kronenbrot verkauft und eine neue, aber viel primitivere Schule in der Nähe des Sportplatzes gebaut, warum weiß nur der liebe Himmel und vielleicht die Beteiligten. Die neue Schule wurde 1998 abgerissen, die alte soll unter Denkmalschutz stehen, ansonsten wird sie sicherlich auch eines Tages weg sein. Zwischen den beiden Schulen lag der Garten von Lehrer Lambertz, der mit seiner Familie auf der ersten Etage der alten Schule wohnte.

Lambert stammten aus Buderath, Vater sagte, das läge in der Eifel. Ich nahm daraufhin an, dies wäre direkt hinter dem Eifelblick in Vorweiden.

Der efeubewachsene und weitgehend ungenutzte Hinterausgang der neuen Schule ging in Lambertz' Garten. Fast unmittelbar hinter diesem Ausgang stand das Bienenhaus. Dieser Platz bot sich als Versteck geradezu an, wenn man mal " dringend gesucht" wurde. Ebenfalls zwischen den Schulen, zur Südseite hin und vom Grundstück Puhl durch einen Zaun und einen Meter Abstand getrennt, lag ein Bau von etwa zwanzig Metern Länge. Zur Hauptstraße hin war darin das "Spritzenhaus" der Feuerwehr mit dem Spritzenwagen und Leitern, Schaufeln und Hacken. Daran anschließend folgten die Schüler- und Lehrertoiletten. Anschließend stand zur Westseite hin ein riesiger Birnbaum, darunter war ein in die Erde gemauerter Aschenbehälter, zur vorläufigen Aufnahme der in den bei-den Schulen anfallenden Asche. Der Abtransport der Asche erfolgte durch das Pferdefuhrwerk von Wilh. Beckers, der auch den Hausmüll des Dorfes abfuhr.

Damals noch kein Problem, denn in den Häusern fiel ja auch nur Asche an, alle anderen Stoffe waren wiederverwendbare Rohstoffe. Nur ein alter und kaputter Eimer oder zerbrochenes Geschirr landeten im Müll. Dieser Müll landete teils in aufgelassenen Teilen der Sand- und Kiesgruben in Broich, teils in einer großen Vertiefung an der Kleinen Komm (in etwa dort, wo heute das Feldgehölz am Römerweg ist). Den Wohlstandsmüll von heute gab es nicht, Gartenlaub u.a. wurde verbrannt. Was effektiv nicht verbrannt und vergraben werden konnte, wurde mit dem Handwagen auf eine dieser Müllkippen gebracht.

Die Beheizung der Schulen erfolgte mit Kohle, die in großen, gusseisernen Öfen "verstocht" wurde. Das Unterteil der Öfen stand auf drei geschwungenen Füßen und enthielt auch den Aschenkasten. Dann folgte ein Zwischenteil mit Ofenrost und Feuertür. In großen Räumen kam jetzt nochmals ein geschlossenes Zwischenstück, sonst sofort der obere Aufsatz, wie das Unterteil etwas breiter als die Zwischenstücke. Unterteil und Aufsatz trugen meist Verzierungen, z.B. eine Girlande, die rund um den Ofen ging und von der Kunstfertigkeit der Gießer Zeugnis ablegte.

Nach dem 1. Schuljahr bei Frl. Wolf und dem 2. bei Lehrer Erdmann hatten wir im 3. Jahr zuerst Frl. Jennes, danach Frl. Hoff als Klassenlehrerin, im 4. Jahr dann wieder Lehrer Erdmann. Hauptlehrer und damit Schulleiter war Peter Giesen, der recht strenge Herrscher über die Oberklassen. Er kam schon mal zu uns nach Hause, um mit Eltern und Freunden Rommé zu spielen, ein damals beliebtes Kartenspiel. Nach dem Krieg antwortete auf die Frage, wie es ihm denn so ergangen sei: PG - PG - PG. Partei-Genosse Peter Giesen hat Pech gehabt. Er ist zu Beginn der neunziger Jahre in Langerwehe verstorben.

Frl. Wolf lebte bei unserem letzten Klassentreffen 1992 in einem Altenheim in Aachen. Fritz Funken hat sie damals besucht und eingeladen, doch gekommen ist sie nicht. Lehrer Erdmann wohnte in Vorweiden im Haus von Köpp, nachmals Schmirl am heutigen Grünen Weg. Als überzeugter Parteigenosse hatte er 1944 die zwangsweise Evakuierung eifrig mit durchgesetzt. Nach dem Krieg wurde er hier nicht mehr gesehen.

1941     wurde der Schulhof geteert. Unten, in der Ecke zu Windelschmidt, wurde ein großer Sandkasten angelegt, damit die "körperliche Ertüchtigung" beim Hoch- und Weitsprung auch genau gemessen werden konnte.

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Zwischen dem Schulgrundstück und den Grundstücken von Windelschmidt und Mainz das Schulgässchen. Beiderseits von Mauern eingefasst, die uns natürlich oft zu gewagten Kletterkunststückchen herausforderten. Besonders gern wurde die Mauer zu Mainz überklettert, eine starke Bimsplattenwand, oben mit eingemauerten Flaschenscherben gespickt. War man glücklich hinüber, so landete man im Garten von Mainz mit der riesigen Trauerweide am Teich. Nach Durchquerung des Gartens kam ein Durchgang, links lagen Werkstatt und Toiletten so-wie der Durchgang zum Aschenplatz, danach begann danach das Brotlager.

Rechts, entlang der Bäckerei, lagen unter dem hohen Kamin die "Hinterteile" der Backöfen, die Feuerungen. Von hier aus wurden sie "gestocht", meist mit Briketts.

Manchmal landeten dort jedoch auch die verbrannten und verschwiegenen Brote, die die Bäcker im Ofen vergessen hatten. Sie hatten "zevöl jemullt" oder sich gestritten und das rechtzeitige Ausziehen des Ofens hierüber vergessen. Der Durchgang endete auf dem Verladehof, zwischen Villa und Fabrik. Links lag das Brotlager, gefolgt von einer Remise und einem Durchgang zur Scheune. Rechts wurde der Hof eingefasst von dem Vordach der Bäckerei, unter dem auch bei Regen die Brotwagen im Trockenen zum Brotlager gefahren wurden. Daran anschließend kam der Mehlturm mit dem Sackaufzug, dann das Büro, gefolgt vom etwas zurückliegenden Schneideraum, in dem das Brot geschnitten und verpackt wurde. Dann kam, entlang der Mauer des Schulgässchens, die Ausfahrt zur Hauptstraße.

In der "alten" Schule lag - zur Straße hin - der Eingang zur Schule, das Klassenzimmer des 1. Schuljahrs, dahinter lag das Lehrmittelzimmer, in dem u.a. auch die großen Landkarten für den Erdkundeunterricht, später auch der Filmvorführapparat aufbewahrt wurden. Direkt gegenüber vom Eingang war das gefürchtete Lehrerzimmer, daneben das Klassenzimmer des 7.Schuljahres. Darüber, auf der 1. Etage, war die Oberklasse, das 8. Schuljahr, mit großen Fenstern zu Lambertz' Garten hin. Dort oben, neben einem der Fenster hing an der Außenwand die Schulglocke, die auf Befehl des Lehrers zu Schulbeginn und zu den Pausen von einem - meist bevorzugten - Schüler " gebimmelt wurde. Zur Straße hin lag die Wohnung von Lehrer Lambertz.

Unser Schuljahr war mit knapp 70 Mädchen und Jungen (vor der Emanzipation sagte man Jungen und Mädchen) recht zahlreich. Etwa die Hälfte kam aus dem Dorf, die anderen aus der Broicher Siedlung, der Ley-Siedlung, wie man damals sagte. Die Jungen aus der Siedlung waren in etwa so wie wir, vielleicht etwas robuster und zäher. Die Siedlermädchen hingegen waren ganz anders als die aus dem Dorf. Sie waren freier, ungezwungener, vielleicht auch etwas frecher. Heute würde man sagen, sie hatten mehr Pepp. Über den Ursprung der Siedlung weiß ich nur, daß er irgendwie mit der "Kull" zusammenhing. Die erste Ansiedlung war wohl in der Randsiedlung, dann folgte die "alte" Siedlung, die jedoch immer auf Distanz zur Randsiedlung bedacht war. Dann wurde unter Hitler die "neue" Siedlung gegründet, eine Folge der stetig wachsenden Steinkohleförderung der Gruben in Alsdorf und Mariadorf, die immer mehr Bergleute brauchten. Es wurde ein "Musterhaus" errichtet, das 1939 der Bevölkerung durch Dr. Ley mit großem Propaganda - Aufwand vorgestellt wurde.

Dr. Ley war es auch, der als Siedlungsminister 1934 den ersten Spatenstich tat. Nach ihm hieß die Siedlung dann auch einfach und kurzerhand Ley-Siedlung. Die Steigerung der Kohleförderung und die damit verbundene Umsiedlungspolitik waren eine Maßnahme der NSDAP (National-Sozialistische Deutsche Arbeiter-Partei). Die Maßnahme schuf Arbeit, war mithin in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit sehr propagandaträchtig und somit für das System lebenswichtig. Später wurde die Kull sogar kriegswichtig. Und nach dem Krieg war sie für viele überlebenswichtig, denn die Bergleute bekamen Sonderrationen und als erste die begehrten "CARE-Pakete" aus Amerika, von deren Inhalt der damalige "Otto – Normalverbraucher“ nur träumen konnte.

In der Schule war unser Klassenzimmer jetzt auf der 1.Etage der neuen Schule.

Nach Süden hin waren hohe, große Fenster. Ich saß in der Fensterreihe und im Sommer machte die Sonne mich stets schläfrig. Neben dieser Reihe kam noch eine Bankreihe mit Jungen, dann folgten - zur Innenwand und mithin zur Tür hin - zwei Bankreichen mit den Mädchen.

Mit Emma Laban, Josef Wenders, Betti Küffen, Kätchen Blocksdorf, Kurt Kappertz und anderen holten wir Ernst Moritz Arndt in die Linden-Neusener Schule:

Sonne, Mond und Sterne

Und die Sonne, sie machte den weiten Ritt um die Welt.
Und die Sterne sprachen: wir reisen mit um die Welt.
Und die Sonne, sie schallt: ihr bleibt zu Haus,
denn ich brenn euch die goldenen Äuglein aus
bei dem feurigen Ritt um die Welt.

Und die Sternlein gingen zum lieben Mond in der Nacht.
Und sie sprachen: Du, der auf Wolken thront in der Nacht,
laß uns wandeln mit dir, denn dein heller Schein
er verbrennt uns nimmer die Äugelein.
Und er nahm sie, Gesellen der Nacht.

Nun willkommen, Sternlein und lieber Mond, in der Nacht !
Ihr versteht, was still im Herzen wohnt, in der Nacht.
Kommt und zündet die himmlischen Lichter an,
daß ich lustig mitschwärmen und spielen kann
bei den freundlichen Spielen der Nacht.

Sonne, Mond und etliche Sterne hatte ich auf Karton gemalt, ausgeschnitten und mit einem Stock zum Hochhalten versehen. Die Kostüme aus alten Gardinen, Vorhängen und Buntpapier waren Gemeinschaftsleistung. Die Einstudierung teilten sich Emma Laban und ich.

Die Aufführung wurde ein großer Erfolg und alle Mitwirkenden ernteten ein ganz dickes Lob des Lehrers.

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Schule und Spiel waren Lebensinhalt. Erstere etwas weniger, letzteres etwas mehr. Wir spielten Völkerball und Jägerball "op Zackeräes", "strööften" schon mal durch Grotenraths Gärtnerei und untersuchten bei Schwartz den Schießstand der "Alten Kameraden" des Kriegervereins auf Bleistückchen, die man einschmelzen konnte.

In Broich durchstreiften wir die Kiesgruben von Wahlen, Körfer, Kellenter und Schunck. An der Einfahrt zu "Körfers Kisskull", etwas zurückliegend von der Broicher Straße, waren noch einige Kellerfundamente, wahrscheinlich aus den Jahren 1934/35, als der RAD (Reichsarbeitsdienst) dort ein Lager hatte, als diese Straße begradigt und ausgebaut wurde. In diesen Fundamenten fanden wir jede Menge dicker, fieser Kröten, mit denen dann die Mädchen erschreckt wurden. Dieses Gelände wurde nach dem Krieg mit viel Eigenleistung der Mitglieder zu einem Fußballplatz des VfR hergerichtet. Und hier erntete Onkel Klaus Johnen begeisterten Applaus, als er von der "Tribüne" aus (einem Abhang vor Wöbels Wiese) mit seiner prächtigen Glatze einen verirrten Ball ins Spiel zurückköpfte.

Wir liefen zu Kettenkarussell und Kletterstange, zu Schiffschaukel und Lakritzenstand, wenn auf der großen Wiese hinter der Wirtschaft Schwartz Kirmes war. Das Kirmesgeld der Eltern war allzu schnell ausgegeben, doch die Großmutter und Onkel Albert Wirtz ließen sich fast immer zu einer "Zugabe" überreden.

Zwischenzeitlich hatte, für uns Kinder eigentlich unbemerkt, der Krieg begonnen.

Eines Tages lag auf dem Kirmesplatz bespannte Artillerie, die auf dem Weg nach Westen war. Wir räuberten daheim die Blumen aus den Gärten, um Pferde und Kanonen damit zu schmücken. Es muß Spätsommer gewesen sein, denn ich entsinne mich noch genau, daß ich von uns blaue Strauchastern aus dem Vorgarten abschnitt, die dort in der Rundung hinter dem Törchen standen. Im Dorf begann die Einquartierung, die Säle von Schwartz und Wirtz waren belegt mit Soldaten, die auf Stroh schliefen. Fast jedes Haus musste Zimmer freimachen für die Soldaten, ob man wollte oder nicht. Doch in der Euphorie der ersten Kriegsjahre waren alle fast ein wenig stolz auf "ihre" Soldaten. Wir hatten zuerst einen Leutnant der Luftwaffe, ich glaube, er hieß Pelke. Später dann zwei Infanteristen, Sinnig und Stegemann. Bei Dittmann in der Milchküche war zeitweise eine Kantine, aus der ich -über meine guten "Beziehungen" zu Heinz Dittmann - schon mal was abbekam.

Mit Heinz Dittmann und Egon Dörsch bastelte ich aus einem uralten Kinderwagen-Untergestell und einer Bohnenstange ein Geschütz. Das französische Offizierskäppi (auf dem Bild Seite 26) gehörte Egon und Frau Dörsch war sauer, daß ich es beim Fotografieren trug und nicht ihr Egon.

Wenn wir - nach dem Krieg - von dieser Zeit sprachen, dann erzählte Mutter von ähnlichen Situationen der Einquartierung nach dem 1. Weltkrieg. Nur waren es die damals sehr ungeliebten Franzosen, die das Rheinland besetzt hatten und sich da einquartierten, wo es ihnen gefiel. Sie kannte auch noch einen Satz, den sie damals gelernt hatte:

Le Boeuf - das Rind , la vache - die Kuh, fermez la porte - die Tür mach zu !

Aus jener Zeit also stammen viele " verdeutschten" Wörter, deren wir uns auch heute noch bedienen, allerdings fast nur in unserer Mundart.

Nachfolgend einige Beispiele:

Dialekt Hinweis Englisch Deutsch "*"column added by webWürselen
Jäff mich ens de Forschet fourchette - Gabel please give me the fork Gib mir bitte die Gabel

Rêck mich ens d'r Mostert

moutarde – Senf

Please give me the mustard

Reich mir bitte den Senf

Mer setzt sich nêt op de Froneus

fourneuse -Küchenherd

You don't sit on the kitchen stove

Man setzt sich nicht auf den Küchenherd

Adie dann á Dieu - Gott befohlen – Auf Wiedersehen Good bye Auf Wiedersehen
E jaloues Wiffje jaloux - eifersüchtig A jealous woman Eine eifersüchtige Frau
Ene finge Plümo plumeau -Federbett A fine duvet Ein feines Federbett
Dat hat e Oche e Puttiksje boudique – Kleiner Laden – Kramladen She has a small shop in Aachen Sie hat in Aachen einen kleinen Laden
Dat kann deä us de lamäng la main - Hand He is just capable to do it Das kann der einfach so

Wir spielten weiterhin unsere Spiele, obschon uns Hitlers " Jungvolk mit seinen Appellen (noch so ein Wort französischen Ursprungs) ziemlich viel Zeit wegnahm. Auch das obligatorische Sammeln von Silberpapier und Stanniol, Kamillen- und Taubnesselblüten sowie Schafgarbe kostete Zeit und war lästig. Die Blüten wurden auf dem Dachboden der Schule auf alten Zeitungen oder Tapeten getrocknet und später abgeholt. Die körperliche Ertüchtigung in der Schule wurde jetzt konsequenter betrieben. Im Zeugnis hieß es auch nicht mehr Turnen, sondern " Leibesübungen " und die Noten hierin spielten eine ziemliche Rolle bei der Versetzung. Doch wir ließen uns nicht beirren und spielten weiter im Jüddeküllchen und in der Wiese von Dittmanns Loui fleißig Fußball. Manchmal spielten auch schon ältere Jungen mit, Arnold Benz z.B. oder Hans Kreutzer. Sie benutzten uns aber mehr oder weniger als Sparringspartner, gegen sie hatten wir keine Chance.

Im Frühjahr war die Zeit für Pfeil und Bogen, im Herbst für die Windvögel. Zeit für die berühmten und beliebten "Schwenkdouese" und die Steinschleudern war das ganze Jahr über.

Pfeil und Bogen waren damals besonders "in". Riedgras (Binsen) für die Pfeile wuchs massenhaft in den sumpfigen Brachzonen entlang des Baches zum Weiher. Auch am Ackersweiher stand Ried, war aber meist durch Kinder und Kühe zertrampelt. Das abgestorbene, harte Ried wurde mit einem scharfen Messer auf Pfeillänge zurechtgeschnitten, je nach Größe des Bogens zwischen 40 und 70 cm. Die Wachstumsknoten an den Riedhalmen mussten glatt verwachsen sein, sonst blieb der Pfeil Abschiessen hängen. In die untere Seite des Pfeils wurde eine Kerbe zum Auflegen auf die Bogensehne geschnitten. Auf das obere Pfeilende kam ein Stück ausgehöhlten Holunderstabes zur Stabilisierung des Pfeiles während des Fluges. Heinz Dittmann hatte mal oben auf einem Pfeil zusätzlich eine Stecknadel angebracht und damit unbeabsichtigt Jordans Johannes in den Po geschossen. Das Geschrei aller Be- und Unbeteiligten war natürlich groß. Die Bogen machten wir aus Bachweiden, manchmal auch aus Haselnußästen. Diese Hölzer federten besser als Buchen- oder Eichenholz, sie waren auch einfacher zu spannen. Allerdings verloren sie schon nach kurzer Zeit an Elastizität, weshalb sie oft ersetzt werden mussten. Doch der Broicher Wald war ja unerschöpflich. Geschossen wurde auf den Wiesen und Gewinner war, wessen Pfeil - senkrecht hochgeschossen - am längsten in der Luft blieb.

Jeder Schuss wurde von lautem Zählen begleitet, obschon die Indianer dies sicherlich nicht getan haben. Aber die schossen ja auch nicht in die Luft.

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Bereits in den 60er Jahren geplant, wurde dieses Büchlein erstmals 1998 in 16 Exemplaren in "Heimarbeit " auf dem PC gedruckt. 1999 wurden die gefundenen Druckfehler ausgemerzt, das Büchlein um über 20 Text- und Bilderseiten erweitert und wiederum auf dem PC gedruckt, jetzt aber in 35 Exemplaren. 2000 folgten nochmals 30 Stück, dann ging der PC in die Binsen und mit ihm alles gespeicherte Material.

Da ich jedoch immer wieder nach "esue e Böchsje" gefragt wurde, habe ich im Winter 2003/2004 Texte und Bilder in den neuen Computer eingegeben, auch einige Fotos hinzugefügt. Das Büchlein ist jedoch nach wie vor ein reines Amateurwerk, hergestellt o h n e Unterstützung durch Inserenten oder Sponsoren.

Besonderen Dank verdienten sich die "Dörpsjonge" Rudi Mohren und "FJS " Franz-Josef Soquat für ihre wohlgelungenen Beiträge sowie Frau Ida Linden aus Ofden für den Broichtalführer. Hubert Plum aus der Broicher Siedlung half in uneigennütziger Weise bei anstehenden Computerfragen, besonders beim Scannen des Bildmaterials.

Dem Kloster Broich gilt mein Dank für die mehrmalige freundliche Unterstützung, ebenso auch den "Siedlermädchen" aus dem Hause Küffen und dem Klaus Wehren aus dem End, die bei der "Personensuche " fleißig halfen.

Ein herzliches Dankeschön auch an Herrn Harmuth aus Aachen, der die beiden ersten Auflagen so sorgfältig „e Fazoun" brachte und an Frau Rong-Küppers vom Krugenofen, die seit einigen Jahren meinen Arbeiten den richtigen Rahmen verleiht.

Den ganz großen Dank aber hat sich meine liebe Frau Agnes verdient, die mit viel Geduld und Verständnis sowohl die Entstehung als auch die Weiterentwicklung des Büchleins begleitet hat.

Und jetzt: viel Spaß beim Lesen !

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Albert Johnen

 Handkarte Linden-Neusen

Geschichte, Geschichten und Geschichtchen
um und über Broich und Linden-Neusen

 


 Aufbereitung für elektronische Medien

Dr. Karl-Wilhelm Hirsch

Vorwort webWürselen

 


Verwertungsrechte, Veröffentlichungsrechte

Die Verwertungsrechte für das Werk liegen bei Franz Johnen als Autor und Herausgeber.

Mit Schreiben vom 2. August 2019, hat Albert Johnen die Genehmigung erteilt, dieses Werk auszugsweise im Vollzitat mit Quellennachweis auf der Webseite www.webwuerselen.de zu veröffentlichen


 

Inhalt

Vorwort WebWürselen

Seite 1 bis 5

 

Einführung

In seinem Buch "Ein kleines Lied der Erinnerung" erzählt der Autor und Herausgeber Albert Johnen seine persönliche Geschichte, die eng, ja sehr eng mit Linden-Neusen verbunden ist.

Das Buch ist im kommerziellen Sinne nie veröffentlicht worden. Albert Johnen hat alles selbst geschrieben, daraus ein Buch gesetzt und mit den Exemplaren einer privat gedruckten Kleinausgabe seine Familie, seine Freunde und seine Bekannten mit einer Ausgabe versorgt. Eher zufällig - so wie es auf einem Dorf gang und gäbe ist - erlangte ich Kenntnis von dem Buch und bald auch ein Exemplar des kleines Lieds der Erinnerung. Es begeisterte mich. Gab es doch einen Blick auf die Geschichte von Linden-Neusen wieder, der aus einer leidenschaftlich persönlichen Sicht das Leben in Linden-Neusen in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts beschreibt.  

Wer lebte zu dieser Zeit in den Häusern von Linden-Neusen? Wie wuchs man auf? Wo ging man einkaufen und wie wurde man den Müll los in einem Dorf, das für einen Jungen das Zentrum der Welt war. Das Familienleben gab Halt, die bürgerlichen und dörflichen Gewohnheiten gaben den Leben Schranken.

Albert Johnen ist nicht nur der Junge und Mann seiner Zeit, sondern auch ein Linden-Neusener, der die Mundart beherrscht und sich an alte Straßen und Flurnamen erinnert. Wenn er die Wege durchs Dorf beschreibt, nutzt er alte Bezeichnungen. Wenn er Menschen charakterisiert, kommen mundartliche Bezeichnungen zum Zuge, die das "Lied der Erinnerungen" auch für Außenstehende authentisch machen. Es ist äußerst empfehlenswert, sich auf seinen Erzählstil einzulassen, um in den sicher persönlichen Erinnerungen die auch für Linden-Neusen allgemein aufschlussreichen Informationen zu gelangen.

Übersetzung ins Englische

Natürlich kann der Stil nicht ins Englische herübergerettet werden. Dazu bedürfte es einen Muttersprachler mit Sinn für Lokalcolorit. Aber die englische Übersetzung zeigt in der teils mühevoll gefundenen Wortwahl und dem eng am Original angelehnten Satzbau doch einiges vom Stil des Autors. So hofft der Übersetzer jedenfalls.

Das Buch enthält viele Bilder und auch Tabellen, die im Web nicht wiedergegeben werden können bzw. dürfen. Da sind viele Bilder von Personen, vollständige Listen von Klassenkameraden. Hier muss auf das Original verwiesen werden.

Rudolf Mohren

Besonders bedauerlich ist, dass auch Federzeichnungen von Rudolf Mohren hier nicht wiedergegeben werden können. Herr Johnen hat zwar dessen ausdrückliche Genehmigung, sie in seinem Buch zu verwenden. Dies ist aber nicht hinreichend für die Präsentation bei webWürselen. Da wir den derzeitigen Rechteinhaber noch nicht ausfindig machen konnten, führt die folgende Wiedergabe der Bilder im Kleinstformat auf dieser Seite vielleicht dazu, dass wir Kontakt bekommen.

 mohren1960 1mohren1960 2mohren1966 1mohren1966 2mohren1984 1

Vorschau der Zeichnung von Motiven aus Linden-Neusen von R. Mohren aus der Mitte des 20. Jahrhunderts

Inhalt

Bei der Aufbereitung des Buches für das Web folgen wir der Seitengliederung im Buch. Da viele Bilder fehlen müssen, gilt das nur so ungefähr. Die Aufbereitung ist nicht abgeschlossen und wird an langen Winterabenden fortgesetzt.