Des Öfteren haben dann einige Rabauken richtige, dicke "Klausteng" auf diesen Blechkasten geworfen, was natürlich sehr großes Getöse ergab und die Männer drinnen brutal aus ihrer Beschaulichkeit riss. Und natürlich kamen diese Rabauken aus der Dell, woher sonst denn auch wohl. Ich jedenfalls war mit Sicherheit nicht beteiligt, zumindest hier konnte ich die Fragen von Vater ruhigen Gewissens verneinen.

Den freundlichen und ruhigen Martin Kleiker sehe ich noch heute, wie er auf dem Weg zu seinem Garten an unserer Hecke neben dem Eisentor (dort ist jetzt die Garageneinfahrt) vorbeikommt und anhält. Etwas umständlich nimmt er den Vierzahn mit dem daran hängenden Korb von der Schulter und setzt die Sachen ab. Er räuspert sich, nimmt den Flachmann (d'r Blääsch) aus der "Votteteisch" (der hinteren Hosentasche), nimmt einen Schluck, verstaut den Flachmann, räuspert sich nochmals kräftig, nimmt das Werkzeug wieder auf und setzt - jetzt gestärkt - seinen Weg zum Garten fort.

Doch neben diesen, teils schönen, teils aufregenden Erlebnissen gab es - leider - noch die Schule. Hier musste man zuerst einmal stillsitzen und dann auch noch aufs Wort gehorchen. Ich lernte ziemlich gut, doch Stillsitzen und aufs Wort gehorchen sind mir immer schwergefallen, bis heute zu.

Zuerst schrieben wir noch mit Schiefergriffeln auf Schiefertafeln, was man heute sicherlich als sehr umweltschonend bezeichnen würde. An die Tafel angebunden war ein Schwämmchen und/oder ein Läppchen, auf das man - verbotenerweise- gegebenenfalls spuckte, um dann das eben Geschriebene wieder auszuputzen, wenn es der Lehrerin nicht gefiel oder etwas Anderes an die Reihe kam. Ende des zweiten Schuljahres kamen dann Feder und Papier, für uns alle zu Beginn ein Drama. Und mit Bleistift zu schreiben war streng verboten. Nach Frl. Wolf, die zwar schon mal eine Ohrfeige austeilte, aber nie ernsthaft zuschlug und dem meist friedfertigen Lehrer Schubert (Negus geheißen) kam nun Lehrer Erdmann, der schnelle Stock-aus-dem-Schrank, der oft und laut brüllte, wenn etwas nicht nach seinem Sinn von statten ging. Es war schon Krieg und die Schule hatte für einen evtl. Notfall einen Vorrat Vitamintabletten erhalten. Günter Buschlinger nun hatte - sei es aus Hunger, aus Wollust oder aber einfach nur um den Lehrer zu ärgern- einen Teil dieser Tabletten aufgefuttert. Lehrer Erdmann war völlig außer sich deswegen und hat den armen Kerl -der an und für sich hart im Nehmen war- in seinem Jähzorn halb tot geprügelt, was ihn in meiner Achtung gewaltig fallen ließ.

Unser Klassenzimmer war jetzt auf der ersten Etage der neuen Schule, zur Südseite hin, es war ein hoher und heller Raum. Alte und neue Schule wurden in den sechziger Jahren von der Gemeinde an Kronenbrot verkauft und eine neue, aber viel primitivere Schule in der Nähe des Sportplatzes gebaut, warum weiß nur der liebe Himmel und vielleicht die Beteiligten. Die neue Schule wurde 1998 abgerissen, die alte soll unter Denkmalschutz stehen, ansonsten wird sie sicherlich auch eines Tages weg sein. Zwischen den beiden Schulen lag der Garten von Lehrer Lambertz, der mit seiner Familie auf der ersten Etage der alten Schule wohnte.

Lambert stammten aus Buderath, Vater sagte, das läge in der Eifel. Ich nahm daraufhin an, dies wäre direkt hinter dem Eifelblick in Vorweiden.

Der efeubewachsene und weitgehend ungenutzte Hinterausgang der neuen Schule ging in Lambertz' Garten. Fast unmittelbar hinter diesem Ausgang stand das Bienenhaus. Dieser Platz bot sich als Versteck geradezu an, wenn man mal " dringend gesucht" wurde. Ebenfalls zwischen den Schulen, zur Südseite hin und vom Grundstück Puhl durch einen Zaun und einen Meter Abstand getrennt, lag ein Bau von etwa zwanzig Metern Länge. Zur Hauptstraße hin war darin das "Spritzenhaus" der Feuerwehr mit dem Spritzenwagen und Leitern, Schaufeln und Hacken. Daran anschließend folgten die Schüler- und Lehrertoiletten. Anschließend stand zur Westseite hin ein riesiger Birnbaum, darunter war ein in die Erde gemauerter Aschenbehälter, zur vorläufigen Aufnahme der in den bei-den Schulen anfallenden Asche. Der Abtransport der Asche erfolgte durch das Pferdefuhrwerk von Wilh. Beckers, der auch den Hausmüll des Dorfes abfuhr.

Damals noch kein Problem, denn in den Häusern fiel ja auch nur Asche an, alle anderen Stoffe waren wiederverwendbare Rohstoffe. Nur ein alter und kaputter Eimer oder zerbrochenes Geschirr landeten im Müll. Dieser Müll landete teils in aufgelassenen Teilen der Sand- und Kiesgruben in Broich, teils in einer großen Vertiefung an der Kleinen Komm (in etwa dort, wo heute das Feldgehölz am Römerweg ist). Den Wohlstandsmüll von heute gab es nicht, Gartenlaub u.a. wurde verbrannt. Was effektiv nicht verbrannt und vergraben werden konnte, wurde mit dem Handwagen auf eine dieser Müllkippen gebracht.

Die Beheizung der Schulen erfolgte mit Kohle, die in großen, gusseisernen Öfen "verstocht" wurde. Das Unterteil der Öfen stand auf drei geschwungenen Füßen und enthielt auch den Aschenkasten. Dann folgte ein Zwischenteil mit Ofenrost und Feuertür. In großen Räumen kam jetzt nochmals ein geschlossenes Zwischenstück, sonst sofort der obere Aufsatz, wie das Unterteil etwas breiter als die Zwischenstücke. Unterteil und Aufsatz trugen meist Verzierungen, z.B. eine Girlande, die rund um den Ofen ging und von der Kunstfertigkeit der Gießer Zeugnis ablegte.

Nach dem 1. Schuljahr bei Frl. Wolf und dem 2. bei Lehrer Erdmann hatten wir im 3. Jahr zuerst Frl. Jennes, danach Frl. Hoff als Klassenlehrerin, im 4. Jahr dann wieder Lehrer Erdmann. Hauptlehrer und damit Schulleiter war Peter Giesen, der recht strenge Herrscher über die Oberklassen. Er kam schon mal zu uns nach Hause, um mit Eltern und Freunden Rommé zu spielen, ein damals beliebtes Kartenspiel. Nach dem Krieg antwortete auf die Frage, wie es ihm denn so ergangen sei: PG - PG - PG. Partei-Genosse Peter Giesen hat Pech gehabt. Er ist zu Beginn der neunziger Jahre in Langerwehe verstorben.

Frl. Wolf lebte bei unserem letzten Klassentreffen 1992 in einem Altenheim in Aachen. Fritz Funken hat sie damals besucht und eingeladen, doch gekommen ist sie nicht. Lehrer Erdmann wohnte in Vorweiden im Haus von Köpp, nachmals Schmirl am heutigen Grünen Weg. Als überzeugter Parteigenosse hatte er 1944 die zwangsweise Evakuierung eifrig mit durchgesetzt. Nach dem Krieg wurde er hier nicht mehr gesehen.

1941     wurde der Schulhof geteert. Unten, in der Ecke zu Windelschmidt, wurde ein großer Sandkasten angelegt, damit die "körperliche Ertüchtigung" beim Hoch- und Weitsprung auch genau gemessen werden konnte.

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